Alpenurlaub 2014 – Eine läuferische Krise in 3 Akten / 1. Das Hoch

Da das Leben niemals immer konstant und gradlinig verläuft, gibt es immer mal wieder Hochs als auch Tiefs; und da das Laufen ein Teil meines Lebens ist, ist dies auch hier wohl der Fall. Wie es zu einer echten Krise kam und wie es vielleicht auch wieder weitergehen kann, das soll einfach mal Thema meiner nächsten 3 Blogs sein …

Alles Beginnt mit einem Experiment, etwas völlig Neuem für mich, einem Berglauf. Einmal nur bergauf ohne dieses zwangsläufige, lästige bergab bei Veranstaltungen in den Bergen. Ideal für das Akklimatisieren von 150m ü NHN auf die Höhen der kommenden zwei Wochen. Und wie der Zufall so will, startet einer der deutschen Traditions- Bergläufe nahe unseres Urlaubsortes; dummerweise zwar genau am Anreisetag, aber egal, es wird der Karwendel-Berglauf mit seinen 10,6km und 1381Hm sein. Ausgerechnet der Berg, den ich aufgrund unseres Besuches im letzten Jahr bei schlechten Wetterverhältnissen als unangenehm, beängstigend und meiner Höhenangst überhaupt nicht zuträglich empfunden habe. Hier habe ich mich alles andere als wohl gefühlt, dieser Berg ist nicht nett.

Mittenwald. Was bei der Anmeldung übers Internet noch irgendwie toll klang, sah dann in der Realität doch noch einmal ein wenig anders aus – nach 4h Schlaf und 650Km Autofahrt sieht das Ganze ein wenig höher aus als erwartet und zu allem Überfluss wurde das Ziel aufgrund des schönen Wetters auch direkt auf die nördliche Linderspitze auf 2372 Meter verlegt. „Prima, super, ich freue mich“, aber irgendwer muss ja Letzter werden, es ist ja Urlaub und ich will ja auch genießen… Den Feind im Angesicht wird erst einmal gefrühstückt und ein „Mut-Weizen“ genossen: geiles Panorama, herrlichstes Wetter, blauer Himmel, Sonne und 30 Grad -mir wird flau in der Magengegend, irgendwie fiebere ich dem Ganzen aber auch entgegen.

Gegen 14:00Uhr wird es ernst und ich begebe mich allmählich in Richtung Start, schön weit hinten; lasset die Spiele beginnen oder wie andere es nennen: „Urlaub“!

Gestartet wird direkt in Mittenwald und es geht 2 km leicht aufwärts raus aus dem Ort, an der Karwendelbahn Talstation vorbei in Richtung Dammkarhütte. Nach 2,5 km kommt schon der Punkt, an dem für mich wandern angebracht ist, auf einer asphaltierten Forststraße! Mhhhh…“Bei einer solchen Steigung müssten doch alle Autos zwangsläufig hinten über kippen. Wofür Asphalt?  Verrückt diese Bergmenschen.“ Die erste Getränkestation wird dann mangels Bechern auch ausgelassen und es geht auf der Forststraße weiter und ein Laufen istmanchmal dann auch wieder möglich …saudumme Idee, diese Teilnahme, nur anstrengend und warum überhaupt? Keine Aussicht, heftige Hitze und eine schnöde schottrige Forststraße! Aber hilft ja nichts und es geht auch bald auf einen schöneren, schmaleren Wanderweg weiter. Die Bäume schrumpfen allmählich zu Büschen, der Weg wird anspruchsvoller und das Ganze beginnt Spaß zu machen. Der Weg schmiegt sich an den Berg und es geht langsam hinauf, mal leicht, mal etwas steiler… leichter Wechsel zwischen Laufen und schnellem Marschieren.

Die Dammkarhütte ist bald erreicht und zu dem Weg kommt nun endlich auch die Aussicht. Hammer! Ich bin geflasht. Wie wunderschön ist diese Landschaft. Es geht mittlerweile nur noch im strammen Marsch im Dammkar hoch, ein Überholen ist nur bedingt möglich, da man auf dem Geröll immer wegrutscht und es ist steil, verdammt steil, genau das Richtige für meine Höhenskepsis; aber hin und wieder muss ich an einigen Langsameren vorbei. Insgesamt ist die Atmosphäre schon geil, nicht so entspannt wie bei den meisten Ultra-Veranstaltungen, aber auch nicht so verbissen wie bei Volksläufen. Es haben sich hier mittlerweile auch relativ tempohomogene Grüppchen gebildet und so bleibt ein wildes Überholen doch eher eine Seltenheit. Nun geht es über Holzplanken und ich werde ordentlich angefeuert, oder doch nicht? Nun ja ich verstehe dann doch Rosi, und sie scheint hier eine Lokal-Prominenz zu sein ….ich schaue nach hinten und schaue in das freudig strahlende Gesicht einer gut 60 Jährigen. Okay ich fange ja schon wieder an zu laufen und es geht in den Tunnel; aus den über 30 Grad im Kar in gefühlte Minus-Grade, aber das Laufen auf Gummi-Matten macht schon Spaß. Es geht flott weiter und vor allem in freudiger Erwartung was da gleich kommt. Die Dunkelheit spuckt mich aus und ich schaue auf das Fernrohr, einem kleinen Museum auf der Linderspitze und die Karwendelgrube. Menschen säumen den Weg und erst dort oben das Ziel. „So eine Scheiße, so weit soll ich noch hoch?“ Und da vernehme ich sie, die Stimme meiner Maren „Nun lauf doch endlich, lauf“ Quer über die Grube kann ich sie nur hören, nicht sehen. „Lauf doch selber“ denke ich und es geht weiter hoch, die Beine brennen und ich mag nimmer und dann nach gefühlten Stunden sind die letzten 400m endlich vollbracht! 11km in 1:51h. Bestzeit auf 10km sieht anders aus, aber ich bin glücklich, total glücklich. Das ganze Karwendelgebirge breitet sich vor mir aus. Wahnsinn! Noch kurz ganz hinauf, ein letzter Blick auf den Mittenwalder Höhenweg und endlich runter zu meinem Schatz. Glück, die Momente für die wohl jeder, zumindest ich laufe … also ich habe in diesem Moment definitiv meinen Frieden mit der Karwendelgrube geschlossen; es ist schon extrem geil hier! Ich habe Lust auf Bergläufe bekommen, ich bin in unserem Urlaub angekommen, alle Anspannung ist von mir gefallen, ich bin so etwas von im Reinen…Wahnsinn, geile Erfahrung! Ich glaube in diesem Moment habe ich doller gestrahlt als Tchernobly und Fukuschima zusammen. Es geht mit der Karwendelbahn hinunter bevor alle auf die Idee kommen und weiter in Richtung Urlaub. Ich fühle mich fit für die kommende Herausforderung, den eigentlichen Lauf dieses Urlaubs, den Pitztal TrailManiak.

Jan Karwendelberglauf Ziel

To to continued …

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Über Ultra Snob

Urteile erst über mich, wenn du mich kennengelernt hast .... alles andere wird wahrscheinlich in Vorurteilen enden - die Grenze zwischen "Arsch" und Freund ist schwammig.
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3 Antworten zu Alpenurlaub 2014 – Eine läuferische Krise in 3 Akten / 1. Das Hoch

  1. trailshredder schreibt:

    Sehr schön, bin schon auf den nächsten Teil gespannt 😉

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  2. Ultra Snob schreibt:

    Danke Züper, eine gute Fortsetzung kann es nur mit einem Treffen geben! Definitiv!

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  3. ZüperOli schreibt:

    Wenn Du nur „Hoch“ läufst, wie sollen denn dann die „Tiefs“ kommen? Geile Zeit für nen 10er, schaff ich gerade in der Ebene auch :-)! Hoffe auf eine gute Fortsetzung!

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