Alpenurlaub 2014 – Eine läuferische Krise in 3 Akten / 3. „Schluß“-Akt

Es wird ja Zeit meine läuferische Krise endgültig abzuschließen und sowohl real als auch virtuell ad acta zu legen. Also soviel schon einmal vorab, nach den Erfahrungen an den Kalkkögeln kann es ja nur noch steil bergauf gehen …

Beginnen tut die Zeit nach dem Urlaub erst einmal wieder mit kleinen Problemen mit der Fuß-Sehnenplatte oder besser bekannt als Plantarfasziitis. Aber den APUT, den Allgäu Panorama Ultra Trail hatte ich ja direkt im Anschluß an den DNF im Pitztal gebucht. Also Kneifen gilt nicht.

Allgäu? Ja, Allgäu! Klang für mich immer irgendwie nach sanften Hängen, grünen Wiesen, Kühen und ein paar größeren Hügeln, aber nicht so richtig nach Bergen. Dementsprechend klingt „Allgäu Panorama Ultra Trail“ erstens nach Allgäu, gleichbedeutend mit sanft und beherrschbar. Zweitens nach Aussicht, und diese erfordert ja schließlich blauen Himmel und schönes Wetter! Beides gehörte zumindest in den letzten Jahren auch immer zum festen Bestandteil des Laufes und drittens Ultra-Trail, der ja immer gut ist.

Punkt 1 sollte sich schon gleich bei der Anreise als zumindest größtenteils richtig erweisen: grüne Wiesen, sanfte Hänge und Strassen, die sich an die Landschaft anschmiegen, insgesamt sozusagen „Prae-Berg-Landschaft“. Panorama wohin man guckt, also alles in allem sehr schön. Erste Zweifel an der Hügeltheorie kamen jedoch im Angesicht des Projektes „Salewa Klettersteig“, der direkt vor unserer Tür installiert wurde. Frohen Mutes noch mit der Bahn hoch, da ich ja vor so einem Lauf auch nicht unbedingt zuviel riskieren sollte 😉 und während der Fahrt im Sessellift dann die Ernüchterung:

„Maren, wie schwer ist denn das?“ …“B/C!“… „Ahhh … Was war noch mal der Mittenwalder Klettersteig?“…Ein Lachendes „A!“…“Ja, bist denn narrisch? Willst du mich verarschen?“…Na du magst dich doch immer nicht mit soviel Planerischem beschäftigen, Pfff“

LEIDER sind jetzt hier heute schon Unmengen an Klettergruppen unterwegs. Ist halt Ferienzeit und auch Wochenende. „Dann lieber nicht heute“ 😉 Wenn ich mich schon der nächsten Stufe meiner Höhenskepsis stelle, dann wenigstens ohne das jemand von hinten drängelt. Also umgehen wir den Klettersteig und wandern ein wenig, aber hier muss und will ich noch einmal hin, wenn es ruhiger ist; so ohne diese Massen, denn von oben,  den Klettersteig-Ein-/Ausstiegen aus sieht der Steig schon wirklich lohnend aus…

Kommen wir zu Punkt 2. Wieder in der Ferienwohnung angekommen, werden die Sachen für den morgigen Lauf gepackt. Sonniges Wetter wird es dieses Jahr ausnahmsweise  nicht geben, irgendwie typisch für den diesjährigen Sommer in Deutschland. Alles ein wenig feuchter; wobei Nieselregen ist wesentlich besser als von Beginn an Hitze. Irgendwie will ich diesen Nieselregen bei erträglich milden Temperaturen, das wird doch noch nicht zuviel verlangt sein, oder? Abends werden wir von Sanna und Aschu, die in der gleichen FeWo-Anlage untergebracht sind, mit lecker Essen und fachmännischen Wetterprognosen versorgt. „Richtig abregnen soll es sich in der Nacht und morgens kurz nach dem Start wird es weniger.“ Ist doch nah dran, an meinem Nieselregen. Supi, da brauche ich nichts mehr neu packen! Mit dem Alter ist man ja auch weniger flexibel, gelle?

Schon bei der Fahrt mit Aschu zum Start, eigentlich schon vor dem Aufstehen wird klar, dass es heute nicht bei ein bißchen Wasser bleiben wird. Auf dem Weg vom Auto zum Start bin ich jedenfalls bedient! Ich bin durchnässt und der Wind läßt mich frösteln! „Los, los frag mich doch bitte mal jemand, ob ich nicht lieber wieder ins warme trockene Bett mag… los Aschu frag doch endlich!“ Macht er natürlich nicht, also geht es zu diesem architektonischem Meisterwerk von „Allgäu Outlet“; erinnert ein wenig an so ein paar Bausünden in der eigenen Stadt.

Es folgt das immer gleiche Laufveranstaltungs-Ritual.  Das Wiedersehen mit Lauffreunden und das typische Ultra-Gequatsche. Fachmännisch schrauben sich in unserem Umfeld die Prognosen in puncto Regendauer wahllos nach oben… viele Leute, viel Blödsinn. „Dann die 69km lange Schleife um das obere Illertal halt im Regen.“ Mir doch egal! Selbst der Anblick des stärker werdenden Regens im Scheinwerferlicht der vorbeifahrenden Autos läßt mich mittlerweile irgendwie kalt. Aber unter diesem Dach mag ich auch noch nicht so recht hervorkommen und die Anderen wohl auch nicht! Plötzlich ein wenig Hektik und es scheint loszugehen. Ich schaffe es, mich recht weit hinten im Feld zu halten. Und überhaupt, der Startschuss ist heute definitiv mit seinem Arsch im Bett geblieben – Ich habe da nichts gehört!

Auf geht`s und es ist witzig zu beobachten wie es sich immer wieder staut, weil sich einige nicht die Füsse nass machen wollen und daher um alle Pfützen herumschleichen. Die trockenen Füße erledigen sich doch eh bald, spätestens nach dem ersten Anstieg auf der feuchten Wiese. Danach wieder Asphalt, eine Wiese, ein matschiger Pfad durch Gehölz und den ersten Läufern wird ihre bescheidene Laufschuhwahl ganz brutal vor Augen geführt. Aber Panorama? Fehlanzeige! Es folgen Schotterwege, matschige Wald- und Wiesenpfade und vermatschte Zuwege zu Skipisten. Dann wieder runter über Schotter und und und… Fragt mich bloss nicht wo ich bin, keine Ahnung! Nebel, Regen oder kurz: Feuchtigkeit in jedweder Form, aber irgendwie ist es gar nicht schlimm! Aber eines weiß ich; der Fuß ist erstaunlich schmerzfrei, der Schmerz ist zwar latent da, aber nicht dominant!

Erste Zeitnahme an der Grasgehren-Alm nach ca. 19 Km. Was soll mir diese Zeit sagen? Keine Ahnung, ich schaue ja noch nicht einmal auf die Uhr. Es geht weiter und ich merke, daß ich einem bestimmten Gefühl besser nachkommen sollte, also kurz mal etwas länger rechts raus – Wäre das auch erledigt.

Nach kurzer Zeit laufe ich wieder auf Aschu auf. Hmmm. Irgendwie kann ich mit ihm zusammen saugut laufen! Also warum nicht auch hier? Er will vorsichtig wegen der Höhenmeter, ich will vorsichtig wegen des Fusses. Schon geil und wir haben es das allererste Mal geschafft, nicht von Anfang an so Tempo zu machen, fällt mir gerade so ein! Das Schöne ist ausserdem, dass er sich im Gegensatz zu mir so gut informiert und die Strecke ja auch schon kennt (zumindest mindestens die Hälfte?). Gerade schwärmt er mir von diesem wunderschönen Talschluss östlich des Riedberger Horns vor, als ein kurzer leichter Graupelschauer beginnt. Supi.

Es wird matschiger und ein Mal hat es mir fast die Schuhe ausgezogen; das wäre ja was geworden. Wir nähern uns dem Punkt, an dem sich die Strecken des Marathons und Ultras sich trennen. Ja, bis hier laufen Maren und ich dieselbe Strecke. Schön, „viel Spaß, meine Kleene“.  Der Regen hat allmählich aufgehört und aus dem Nebel ragen sogar die umliegenden Berge hervor, mit weissem Puderüberzug – von einem Streckenposten erfahre ich, dass es die Nacht über Neuschnee ab 1900m gab. Sauber.

Es geht nun runter nach Rohrmoos. Schöne, technisch anspruchsvollere Trails auf rutschigem Gelände. Ich liebe das! Das sind die idealen Einsatzgebiete für meine Stöcke und Läufer ohne Selbige geraten schnell ins Hintertreffen. Wenn du hier ohne Stock schnell laufen kannst, dann kommst du aus einer solchen Gegend – und wieder ein paar Läufer einkassiert. Nach ein paar langweiligen Kilometern geht es in Richtung Kleinwalsertal, nach Österreich. Direkt hinter der Landesgrenze eine weitere Verpflegung und auch die Möglichkeit zum Schuhwechsel. Aber nicht für mich! Da müßte ich vorher ja noch mehr planen.

Es geht auf einer Asphaltstraße weiter runter und über die beeindruckende Schlucht der Breitach. Schön Tempo machen. Der Ausblick ist aber kein Grund zum Verweilen, denn es geht kurz darauf wieder steil bergauf. Genug der Erholung!  Bei Anlaufen stolpere ich über meine Stöcke und mache mich fast lang. So etwas natürlich immer nur vor Publikum! Ist ja gerade noch einmal gut gegangen. Nun heißt es mit den Kräften haushalten und abschätzen, ob man  läuft oder ob man besser zügig wandert. Völlig normal für mich. Aschu lernt willig…  es geht hinauf zum Söllereck und langsam wird für mich klar, daß es klappt, daß mir der Fuss keinen Strich durch die Rechnung macht. Das langsame Angehen war richtig, ich fühle mich gut.

Und jetzt kommen richtig schöne schmale Trails: hier macht es richtig Spass, es verleitet zum Spiel mit Tempo und Strecke, doch an einigen Stellen ist es mit den engen rutschigen Serpentinen, den Stufen und Stiften, die emporragen nicht Ohne. Es ist kurzweilig, es ist schön, teilweise ziemlich anspruchsvoll und vor allem scheint die Sonne!!! Es geht hinunter über den Freibergsee auf die Wiesen vor Oberstdorf. Unsere Ankunft wird mehrfach angekündigt, warum auch immer. Die Runde in Skisprung-Stadion ist schon imposant….aber ehrlich, wer hier runterspringt, der hat sie doch nicht alle! Total bekloppt! Nach einer ausgiebigen Verpflegungspause heißt es nun die restlichen 20 Kilometer und vor allem die verbleibenden Höhenmeter abzuspulen. Meine Beine? Alles in Ordnung. So kann es weitergehen! Tut es aber nicht so ganz.

Gleich nach dem Ausgang aus der Arena geht es wieder auf Asphalt recht ruppig bergauf, wird aber auch mit herrlichen Ausblicken belohnt und hinter der Gaisalpe geht es auf einem schmalem Pfad weiter bis wir endlich auf den sogenannten „anspruchsvollsten Kilometer“ des gesamten Laufes kommen. Der eingetretenen steile Pfad gleicht einem riesigen Matschkanal und ein Vorankommen ist äußerst mühsam, aber irgendwann ist auch dieser letzte Anstieg geschafft! Die Cola, die Aschu mir dankenswerter Weise mit hochgetragen hat, weil mein Rucksack zu klein war, haben wir uns wahrlich verdient! Das Gipfelkreuz des Sonnenkopfes, der höchste Punkt mit seinem phantastischem Rundblick ist erreicht.
Es geht jetzt nur noch knapp 10 km bergab. Zu Beginn auf leicht laufbaren Pfaden, dann kurvig über Schotter- und Wiesenwege und mit immer wechselndem Gefälle; manchmal mehr und manchmal weniger angenehm zu laufen. Kurz aufkeimende Krämpfe werden sofort so gut wie möglich ignoriert und wir kommen wieder richtig schön ins Laufen. Als dann auch noch kurz vor dem Ziel unsere besseren Hälften auftauchen, um uns den Rest des Laufes zu begleiten, ist es perfekt! Das Ziel fliegt uns entgegen und schon nehmen wir die Finisher-Medaillie und die persönliche Gratulation des Veranstalters entgegen. Ich nehme Aschu in die Arme, mit dem das Laufen mal wieder richtig Spaß gemacht hat! Danke. Das können wir gerne wiederholen!

Was soll ich sagen? Laufen macht Spaß! Lange laufen macht länger Spaß! Ich laufe gerne Berge, gern auch bergauf und bergab, aber es sollte schon laufen und nicht klettern  sein! In diesem Sinne, da kommt noch einiges! Ich bleibe dran … es soll ja noch ein paar laufbare Veranstaltungen geben.

 

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Über Ultra Snob

Urteile erst über mich, wenn du mich kennengelernt hast .... alles andere wird wahrscheinlich in Vorurteilen enden - die Grenze zwischen "Arsch" und Freund ist schwammig.
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