Lok auf zwei Beinen – Etappe 1

Alle happy, alles toll – meine Fresse, nun soll es also losgehen! Dutzende Male habe ich mir diese Videos vom Start in den anderen Jahren angesehen; es war alles irgendwie immer ganz weit weg und, so sehr ich mich auch auf den Lauf gefreut habe, so sehr habe ich auch Muffensausen. Doch auf einmal fing die Zeit an zu rasen und dieser Moment kam wie ein Sportwagen auf mich zugerast und momentan bin ich auch parallelisiert wie ein Reh, welches in die Scheinwerfer des selbigen schaut. Was soll`s? Es ist doch ein Privileg so etwas laufen zu können, zu dürfen, und ich will genießen und immer schön ruhig bleiben, alles sachte angehen!

Ich entlasse also Maren, Marco und Markus auf ihre Wanderung um das Raetikon und stürze mich gleichzeitig in mein größtes Laufabenteuer. Einmal über die Alpen, na ja zumindest über einen kleinen Teil und dies auf mehr oder weniger schönen kleinen Pfaden oder neudeutsch Trails. Bei fast 700 Teilnehmern wird es leider nicht  allzu oft vorkommen einsam zu sein, was ich an den Bergen eigentlich so mag, aber man kann ja nicht alles haben. Und ich bin heiß auf meine erste Erfahrung bei einem Etappenlauf. Wie ist das wohl, das mit diesen täglichen längeren Läufen, das mit dem frühen Aufstehen und dem Experiment so lange so eng mit einem anderen außer Maren auf engem Raum zu leben? Wie werden die Unterkünfte sein, wie das Essen? Fragen über Fragen und zum Glück geht es nun auch wirklich los! Jetzt einfach laufen und nicht so viel denken. Habe ich die richtigen Schuhe gewählt? „High-tech Boots von der NASA, auf meinen Waden riesige Adern, auf der Brille Fliegenkadaver“, doch in letzter Zeit brannten meine Füsse selbst in Diesen immer so schlimm, dass nach kurzer Zeit das Laufen wirklich zur Qual wurde. Strümpfe habe ich gewechselt, aber auch das hat nur bedingt geholfen – nun muss ich mal experimentieren. Genug Schuhe und Strümpfe sind onboard!

Highway to hell – Es soll gleich zu Beginn einmal von ganz unten nach ganz oben, von 800m auf 2190m ü.NN gehen. Auf dieser ersten Etappe zum Einrollen, bei den heutigen äußeren Bedienungen ein nicht zu unterschätzendes Brett, da bin ich mir sicher, aber ich mach mir deswegen ehrlich gesagt gar keine ernsten Gedanken. Ich schaue mir im Normalfall noch nicht einmal den Streckenplan an – ist doch auch viel spannender, Surprise. Warum aber auch, denn der Aschu macht das ja meist für uns beide. Da ergänzen wir uns schon einmal sehr gut

Es beginnt, „das Rad muss sich drehn, also dreh ich am Rad. Ich muss gehn und alle gehen ab“ und es geht durch Oberstdorf in Richtung des Autoparkplatzes von dem ich gerade erst zum Start latschen musste. Hätte ich das gewusst, hätte ich mir den Weg doch sparen können. Einige legen gleich richtig los, andere schlurfen sich bei Geschnatter langsam ein, ich gehöre zu der zweiten Gruppe. Schon bald geht es im Laubbaumwald erst straff nach oben und dann folgt ein schönes Auf und Ab. Die Wärme nimmt weiter zu und jede Möglichkeit Wasser zu schöpfen, sich den Kopf zu kühlen, wird genutzt. Dann weiter über kleine Straßen, via Talschluss in Richtung Fiderescharte.  Es geht nun auf einer Asphaltstrasse immer höher und ich finde das Ganze schon nicht ohne oder einfach „die Pumpe pumpt, habe wunde Lungen“

An der Wankalm wird das erste Mal die Flasche aufgefüllt und mir kommt in den Sinn, dass ich für diese Temperaturen viel zu wenig getrunken habe. Da muss ich aufpassen! Also nicht den nächsten Fehler folgen lassen und möglichst auch ein wenig Festes zu mir zu nehmen. Nicht leicht, aber ich wollte mir das für folgenden Tage angewöhnen. Zumindest habe ich es bis hier zumindest schon einmal geschafft regelmässig ein Gel rein zu drücken. Hier am VP herrscht emsiges Gewusel, da alle noch recht nah beieinander sind und es erinnert eher an einen Hühnerstall voller aufgeregter Hühner als an alles andere, insgesamt stressig, aber schön. Im Hintergrund sehe ich zum ersten Mal wo es gleich richtig hochgeht… Jippie! Freu!  Hochlaufen mag ich da zwar auch nicht, aber im schnellen Laufmarsch geht das auch schnell vorbei. (… dass ich dabei gar nicht so schnell bin, haben mir dann doch vor zwei Wochen der Falk und der Andreas im Zillertal gezeigt 😦 aber dazu komme ich später noch …). Aufi! Pack ma`s!

Der Trail schlängelt sich zunächst durch wunderbare Latschenfelder in Richtung Fiderepass hinauf, wo es dann kurz etwas flacher wird und den Blick auf die nächste Hürde freimacht. Es geht kurz und knackig in mehreren Serpentinen weiter nach oben auf über 2000m ü.NN und der Untergrund wird auch alpiner. Läuferhimmel, was willst du mehr? Es sind diese Momente, es ist diese Gegend, die mir immer wieder klarmacht, warum ich so gerne laufe, warum ich mir sicher bin, das geilste Hobby der Welt zu haben.

An einer kleinen Stelle muss nun auch ein wenig „geklettert“ werden und der einzige Kandidat des Rennens, der noch nie in den Bergen war muss mit seinen Stöcken ausgerechnet vor mir in der Luft herumstochern. Irgendwie ziehe ich so etwas auch automatisch an. In diesen ersten Downhills ist jedoch auch Vorsicht angebracht und ich muss die Füsse ordentlich heben, um nicht irgendwo einzufädeln, aber alles geht gut. Auf der langen Traverse zur Mindelheimer Hütte hinüber steht dann mitten auf dem Weg ein Esel, der starrköpfig den Weg nicht freigeben mag und so für manches Selfie herhalten muss – später auf den Fotos stellt sich bestimmt die Frage, wer denn wohl der größere Esel gewesen ist. Auf der Hütte oder besser davor besteht zum Glück noch einmal die Möglichkeit Wasser aufzufüllen und alle waren dankbar für diese Erfrischung – ansonsten hätte ich mich wohl oder übel an einen der Tische setzen müssen, um ein Weizen zu bestellen…brauchte ich so aber (leider) nicht. Danach geht es weiter die Latschen bewachsenen Hänge runter und es macht einfach nur Spaß, hier es einfach mal ein wenig rollen zu lassen – ich glaube, ich bin in diesem Rennen angekommen. Herrlich, dies alles hier! Die Leute, die Strecke, alles! Nach diesem eher „rollenden“ Abschnitt geht es dann bald recht luftig über ein paar abgesicherte Stellen und kleinere Brücken zum Schrofenpass hinauf – ziemlich unspektakulär. Im Anschluss geht es nun bergab in Richtung V2, und hier bekomme ich gleich einmal ein Vorgeschmack auf die doch ungewohnten steilen Abstiege; ein kurzes Hallo an meine Knie und Österreich, ein Tschüss an Deutschland.

Aus dem Tal dringt ungewohnt lautes Getöse herauf. Ich denke, dass das hier nur schneesicher, ein Paradies für Skifahrer und im Sommer anscheinend eines für Motorradfahrer ist. Ist schon ein krasser Kontrast zu dem hinter uns Liegendem. Gehört meines Erachtens auch dazu, ist nicht alles so wie man sich das wünscht. Unten an der Strasse angekommen, soll noch ein kleiner Anstieg kommen – Markus hatte uns vor dem Start auf diesen kleinen Stich gegen Ende hingewiesen; dass das jetzt noch einmal weh tun würde….pah, was soll da denn kommen??? Und nun sehe ich es …. es geht die Direttissima eines Skihang hoch; mag ich! Nur halt jetzt nicht! 🙂 Wir erreichen den VP 2 in Warth, schön an der Strasse, ach eigentlich zwischen zwei Strassen gelegen …hier probier ich mir ein wenig Essen hineinzu würgen, aber eigentlich ist mir nur nach Flüssigkeit, nur essen muss ich wohl auch.

Wer jetzt gedacht hätte, es ginge nur noch bergab, hatte sich gehörig getäuscht. Es geht erst einmal ein Stück herunter und dann über Forstwege im Lech-Tal aufwärts.  Die Beine funktionieren noch relativ gut, wenn auch die Hitze am heutigen Tag wirklich auf den Körper drückt und Spuren hinterlässt, doch „Irgendwas hält mich auf Trab und manchmal hab ich es satt“, aber trotzdem geht es über das seichte Auf und Ab auf einem breiteren schottrigen Forstweg ins Ziel nach Lech. Puh, geschafft! Ein leichter Schauer überkommt mich: Das ist schon geil! Im Zielbereich gibt es ein Buff und auch Sonnencreme. Harhar witzig, das hätten sie mal vor dem Start verteilen sollen, nun ist es ein wenig zu spät und der Schädel hat ordentlich einen mitbekommen. Schnell ein paar kalte Getränke und so eine Art Pizza – lecker und ich gebe zu, es war nicht nur ein Stück.

Die zweite Challenge des Tages folgt nun mit dem Auffinden der gebuchten Unterkunft. Hier ist sie am weitesten weg vom Ziel, von der Pasta-Party und dem Start  … wir finden sie trotzdem recht schnell und sie ist, nun nennen wir sie mal rustikal: dunkle Teppiche und schön altes Gelsenkirchener Barock, ergänzt durch die grünbraunen, 70iger Jahre Kacheln im Bad. Aber das Wichtigste, unsere Taschen sind  tatsächlich in der Pension und nach einem wohltuenden Bad geht es ab zur Pasta-Party. Das muss sein. Aschu hingegen mag sich lieber im Zimmer erholen— Also los, den Weg zurück. Will ich wirklich? Ja, natürlich! Die Berge um Lech herum sind schön, das Gefühl hier heute die erste Station zu haben, ist schön, aber auch ein wenig befremdlich… sollen so die nächsten Tage sein? Der Alltag eines Handlungsreisenden? Komischer Gedanke. Auf dem Weg zurück immer wieder glückliche Gesichter, Läufer-Gesichter, das freundliche Zunicken, das Wissen etwas Tolles begonnen zu haben. Tolle Momente! Bei der Pasta-Party sind noch keine bekannten Gesichter vor Ort zu sehen und so beschließe ich schon einmal  zu essen. Hunger ist vorhanden! Hoffentlich nicht gleich wieder Nudeln. Das wäre nicht so prall, aber nein es gibt Folienkartoffeln. Bei der Ausgabe habe ich dann das Glück an einen etwas unerfahrenen Koch, zumindest in Bezug auf die Ausgabe, zu geraten; es gibt ordentlich Kartoffeln, ich bin wieder glücklich – mit dem Quark und dem Grillgemüse ist das Ganze wirklich lecker und nach dem Kaiserschmarrn bin ich auch wirklich satt… sagte ich, dass ich glücklich bin?? Ja? Nein? Egal, aber das bin ich! Geschafft! Es rollt.

Nach dem Essen dann noch ein wenig quatschen und langsam zurück, morgen geht es ja wieder früh los und die Tasche muss auch noch gepackt werden. Auf dem Weg zurück fällt mir auf, wie locker eigentlich noch meine Beine sind, „Ich renn hinten raus, einmal rund ums Haus und vorne wieder rein, bin fast wieder frisch“. Das Wetter soll wieder gut werden, so kann ich eigentlich bei meinem schon Bewährtem bleiben…passt scho!

Advertisements

Über Ultra Snob

Urteile erst über mich, wenn du mich kennengelernt hast .... alles andere wird wahrscheinlich in Vorurteilen enden - die Grenze zwischen "Arsch" und Freund ist schwammig.
Dieser Beitrag wurde unter Die einzelnen Etappen abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s